Was deutsche Manager von Kanadas Premierminister lernen können

Vom 20.-23. Januar 2016 kamen die Mächtigen und Einflussreichen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zum alljährlichen Weltwirtschaftsforum im Schweizerischen Davos zusammen. Dieses Jahr drehten sich die Diskussionen und zahlreichen Reden um die vierte industrielle Revolution. Viele Programmbestandteile sind im Internet veröffentlicht. Nicht nur aufgrund des spannenden zentralen Themas lohnt sich ein Besuch. Von dem einen oder anderen Redner lässt sich zudem abschauen, wie man auf der Bühne brilliert.

Ganz besonders gut gefallen hat mir die Rede des Kanadischen Premierministers Justin Trudeau, der eine sehr selbstbewusste und pointierte Rede zur Zukunftsorientierung und Pionierstellung von Kanada gehalten hat. Dass er Kanada als Musterbeispiel für zentrale politische und wirtschaftliche Handlungsfelder präsentiert, ist für einen Premierminister nicht ganz ungewöhnlich. Doch die Art und Weise, wie er es tut, ist glaubwürdig, überzeugend und sympathisch. Und deshalb eignet sie sich gut als Anschauungsobjekt für deutsche Manager, die ja ebenfalls vor der Aufgabe stehen, bei ihren Redeauftritten – intern wie extern – das eigene Unternehmen als besonders erfolgreich, fortschrittlich und zukunftsorientiert darzustellen. Nur gelingt es den wenigsten, ihr Anliegen mit einer ähnlich verständlichen und glaubwürdigen Rede wie Trudeaus umzusetzen.

Die Highlights seiner Rede sind für mich:

Gelungener Einstieg

Gleich zu Beginn seiner Rede erinnert Trudeau an einen der Gründerväter des Weltwirtschaftsforums, den Kanadier Maurice Strong. Doch dies tut er nicht alleine aus Patriotismus, um besonders staatstragend zu wirken, um den kurz zuvor verstorbenen Landsmann zu ehren oder um die Verbindung zwischen Kanada und dem Weltwirtschaftsforum ins Gedächtnis zu rufen. Er führt Maurice Strong hingegen als ein erstes prominentes Beispiel  für die vielen Kanadier an, die in der Welt und insbesondere der Wirtschaft Verantwortung tragen und angesichts großer gesellschaftlicher Fragestellungen mutig neue Wege einschlagen.

Klare Struktur und elegante Übergänge

Trudeaus Rede ist bestechend einfach strukturiert und gerade deshalb so verständlich:

  1. Einleitung
  2. Aufgreifen des Themas des Weltwirtschaftsforums: 4. Industrielle Revolution
  3. Erste zentrale Botschaft: Technologischer Fortschritt muss dem menschlichen / sozialen Fortschritt dienen
  4. Zweite zentrale Botschaft: Dafür benötigen wir einen Führung- und Gestaltungsanspruch
  5. Dritte zentrale Botschaft: Dafür benötigen wir Vielfalt / Diversity
  6. Vierte zentrale Botschaft: Kanada ist ein Musterbeispiel für gelebte Vielfalt als Basis für Kreativität
  7. Fünfte zentrale Botschaft: Kanadier sind selbstsicher
  8. Fazit: 4. Industrielle Revolution bringt enorme Veränderungen mit sich; Kanada wird sie mit seiner erfolgreichen Mischung aus Leadership, Vielfalt und Zuversicht/Selbstvertrauen erfolgreich bewältigen

Einfach ohne zu simplifizieren

Eine gute Rede, insbesondere zu einem komplexen Themenfeld, zeichnet sich auch immer durch Klarheit und Reduktion aufs Wesentliche aus. Doch insbesondere die Reduktion aufs Wesentliche darf nicht dazu führen, dass simplifiziert wird und das Thema somit unvollständig oder gar unzutreffend präsentiert wird. Trudeau nennt die aus seiner Sicht wesentlichen Voraussetzungen für die erfolgreiche Bewältigung der 4. Industriellen Revolution, die zugleich als wesentliche Eigenschaften von Kanada präsentiert werden: Führungs- und Gestaltungswille, Vielfalt und Zuversicht/Selbstsicherheit. Die von ihm verwendeten Beispiele (Ruf der Universität von Waterloo, Umgang mit syrischen Flüchtlingen, Wirken von Maurice Strong) unterstreichen seine Argumentation und illustrieren die einzelnen Eigenschaften. Das könnte gut von Führungskräften hierzulande aufgegriffen werden, beispielsweise wenn sie eine Rede zu ihren Unternehmenswerten halten.

Eine Prise Humor

Schließlich nutzt Trudeau auch die eine oder andere humorvolle Bemerkung, um seine Rede aufzulockern und seine Zuhörer zu unterhalten. Dies ist ein kluger Schachzug, um die missionarische Intensität seiner Rede („Von Kanada kann die Welt lernen“) etwas abzumildern.  Ein Beispiel: Trudeau scherzt, dass mindestens die Hälfte aller anwesenden Manager schon einmal seinen Landsmann Dominic Barton engagiert hätten und spielt damit auf die Dominanz der Beratungsfirma McKinsey an, dessen Weltchef Barton ist.

Wenn Sie jetzt auf den Geschmack gekommen sind, empfehle ich Ihnen, Trudeaus Rede einmal zu lesen oder noch besser, sie sich anzuhören/-sehen. Und wenn Sie danach den Wunsch haben, dass Ihre nächste Rede ähnlich überzeugend wird, versuchen Sie es doch einmal mit mir als Ihrem Redenschreiber. 

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