Der Köder muss dem Fisch schmecken

Jeder Angler weiß: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht der Angel und auch nicht ihm selbst. Redner in der Wirtschaft beachten diese Erkenntnis leider viel zu selten. Sie sprechen Fachchinesisch („Underwriter“, „Bruttoergebnisverbesserungen“), dreschen Phrasen („Mitarbeiter sind unser wichtigstes Kapital“, „Der Kunde steht bei uns an erster Stelle“) oder greifen überwiegend auf sprachlich ungenaue Anglizismen zurück („Performance Management“, „Customer Experience“, „Digital Disruption“). Persönliches, Menschliches fließt nur allzu selten in ihre Reden ein; die Sprache bleibt überwiegend technokratisch und erinnert an Protokolle oder gar Vertragstexte. Auch inhaltlich wird häufig keine klare Position bezogen, denn man möchte sich in einem komplex-dynamischen Marktumfeld möglichst alle Optionen offenhalten und angesichts von vorherrschender Political Correctness und Stakeholderorientierung niemanden vor den Kopf stoßen. Im schlimmsten Fall reduzieren auch noch Powerpoint-Slides die Rede auf die Funktion von Foliennotizen und machen den Redner zur Marionette seiner Vortragsmethode (bei der Pecha-Kucha-Methode wird dies geradezu auf die Spitze getrieben).

Damit bringen sich unsere Wirtschaftslenker um die Wirkung ihres Redeauftritts. Anstatt einen klaren Gestaltungsanspruch zu formulieren, ernten sie bei den Zuhörern angesichts von Kauderwelsch und unverständlichen Fachtermini nur Ratlosigkeit. Anstelle die Rede entsprechend ihrer eigentlichen Bestimmung als Führungsinstrument zu nutzen und das Publikum zu (ver-)führen, langweilt der Redner und stiehlt Zeit. Anstatt eine echte Beziehung zu den Adressaten der Rede aufzubauen, um so den Funken überspringen zu lassen, bleiben Redeauftritte unpersönlich, ja geradezu aseptisch. Das trifft leider auch auf viele Hauptversammlungsreden zu. Diese seien zumeist nicht verständlich, kritisiert Jahr für Jahr Prof. Brettschneider von der Universität Hohenheim: „Einige Vorstandsvorsitzende verschenken nach wie vor die Chance, mit ihren Reden eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen. Gelegentlich kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als wäre die Rede auf der Hauptversammlung ein lästiger oder unangenehmer Pflichttermin.“

Kein Wunder, wird doch häufig Kauderwelsch statt Klartext gesprochen: Bandwurmsätze, abstrakte Begriffe, zusammengesetzte Wörter und nicht erklärte Fachbegriffe lassen die Zuhörer im Ungewissen, was der Vorstandsvorsitzende eigentlich sagen möchte. Spitzenreiter bei der Satzlänge war 2014 übrigens der Chef von K+S, der einen Satz mit insgesamt 51 Wörtern verwendete: „In den neun zwischen der K+S Aktiengesellschaft und ihren jeweils 100-prozentigen Tochtergesellschaften geschlossenen Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträgen soll klargestellt werden, dass der in den Verträgen bereits bislang enthaltene Verweis auf die gesetzliche Regelung zur Verlustübernahme gemäß Paragraph 302 Aktiengesetz sich stets auf die jeweils gültige Fassung dieser Vorschrift in ihrer Gesamtheit bezieht.“

Dabei ist es im Grunde gar nicht so schwer, eine gute Hauptversammlungsrede zu verfassen – gleiches gilt für andere Wirtschaftsreden auch. Caroline Waldeck vom Verband der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) formuliert die Anforderungen an eine herausragende Rede: „Gute Redner formulieren einen Gestaltungsanspruch. Das zeigt Führungsstärke und ermöglicht Identifikation. Gute Redner verstecken sich nicht hinter gestanzten Phrasen und abgehobenem Fachjargon, sondern bedienen sich einer gut verständlichen Sprache. Das verleiht Glaubwürdigkeit. Gute Redner scheuen sich nicht, auch selbstkritische Töne anzuschlagen und Probleme und Versäumnisse klar zu benennen. Das zeugt von Verantwortungsbewusstsein. Gute Redner lassen es menscheln und suchen die Verbindung zu ihren Zuhörerinnen und Zuhörern. Das wirkt authentisch und schafft Vertrauen. All das erreichen gute Redner mit einem dramaturgisch geschicktem Aufbau, einem deutlich erkennbaren roten Faden, überzeugenden Argumenten, den passenden rhetorischen Stilmitteln, anschaulichen Beispielen und einer Prise Humor und Emotionalität.“

Ein guter Redenschreiber kennt diese Anforderungen und berücksichtigt sie bei seiner Arbeit. Erfahren Sie in der Rubrik Portfolio, wie ich Sie bei Ihrer Rede unterstützen kann, damit die Worte, die Sie sprechen, Ihren Zuhörerinnen und Zuhörern auch schmecken.

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